Mitteilung des OÖ. Naturschutzbundes
10. März 2010:

Akrobaten im Anflug

Haben Sie schon gesehen? Die ersten Kiebitze sind aus ihrem Winterquartier in Nordafrika zurück. Mit breiten, runden Schwingen, die zu groß für diese Vögel scheinen, schaukeln sie über die Wiesen und Felder. Scharf schwarz-weiß gezeichnet fällt der taubengroße Vogel sofort auf. Erst aus der Nähe betrachtet, verändert sich die Färbung und der scheinbar schwarze Rücken schillert in blaugrünen Farben. Auf dem Kopf thront ein kecker Federschopf. 

Im Frühling vollführt der Kiebitz akrobatische Flugmanöver, um sein Revier abzustecken. Es kann in einem frisch gepflügten Feld liegen, auf einer Brachfläche oder einer feuchten Wiese. Wichtig ist ihm eine weite und offene Fläche ohne Bäume. Nur wenn die Vegetation niedrig bleibt, sieht der Kiebitz bereits von Weitem die Feinde, die seinen Nachwuchs gefährden. Jeder Störenfried, ob Greifvogel, Fuchs oder nichts ahnender Spaziergänger, wird von den Eltern mit tollkühnen Sturzflügen attackiert. Die Jungvögel drücken sich währenddessen eng auf den Boden und verschmelzen scheinbar mit dem Untergrund.

Keine Wiesen mehr
Doch dem Kiebitz geht es schlecht. Wiesen verschwinden unter Asphaltdecken, Brachflächen verbuschen, Traktoren lassen sich auch durch hartnäckigste Attacken nicht aufhalten. Trotz zahlreicher Bruten nimmt der Kiebitzbestand ab, weil passende Lebensräume fehlen. In Österreich steht der Wiesenvogel bereits auf der Roten Liste als potentiell gefährdete Art.

Organisationen wie der  Naturschutzbund Oberösterreich setzen sich für die Erhaltung gefährdeter Flächen ein - mähen Brachflächen, entholzen verbuschte Wiesen und versuchen wertvolle Gebiete, wo der Kiebitz erfolgreich brütet, vor der Verbauung zu bewahren. Viele freiwillige Mitarbeiter schaffen mit ihrer Hände Arbeit Lebensraum für diesen Frühlingsboten und für andere gefährdete Tierarten. Und hoffen, dass die schwarz-weißen Flugkünstler im nächsten Jahr wiederkommen.