Geplantes Konzert von AC/DC in Wels gefährdet Brutkolonien seltener Vögel!

Linz/Wels, 22.12.2009: Das seit kurzem als Riesenevent beworbene Rockkonzert von AC/DC am 22. 5. 2010 in Wels würde ein Desaster an den Brutkolonien der seltenen Vogelarten des Flugplatzes in Wels anrichten.  Die Naturschutzverbände protestieren geschlossen gegen dieses Vorhaben und fordern eine Verlagerung des Ortes oder des Zeitpunktes dieses Konzerts. „Die zweitgrößte Kolonie des Brachvogels in Oberösterreich und mehr als 200 weitere Paare von gefährdeten Bodenbrütern dürfen nicht den ökonomischen Interessen der Veranstalter geopfert werden!“ sagt Hans Uhl von der Vogelschutzorganisation BirdLife. Bürgermeister Koits und die Stadt Wels werden aufgefordert, ihre bisherigen groben Fehler in der Planung zu dieser Veranstaltung schleunigst zu korrigieren.

 

Dieses Großkonzert soll mitten in der Brutzeit 80.000 Besucher samt entsprechendem Verkehr auf die Wiesen und Rollbahnen des Kleinflugplatzes Wels locken. Bürgermeister Koits hat bei den bisherigen Vereinbarungen mit den Veranstaltern offensichtlich ignoriert, dass hier zu dieser Zeit z. B. 8 bis 10 Brachvogelpaare, eine der größten Kiebitzkolonien des Landes, ca. 100 Paare Feldlerchen und viele weitere gefährdete Bodenbrüter im gesamten Gelände verteilt auf ihren Nestern sitzen oder Küken groß ziehen. „Voraussichtlich der gesamte Nachwuchs dieser bedeutendsten Wiesenvogelkolonie im oberösterreichischen Zentralraum würde durch diese Veranstaltung mutwillig zerstört“, warnt Josef Limberger vom Naturschutzbund Oberösterreich.

Wie zum Hohn fällt der 22.5. genau auf den international ausgerufenen „Tag  der Artenvielfalt“.  Dieser Tag wird 2010 in Österreich – anlässlich des von der UNO ausgerufenen „Jahres der Biodiversität“ – mit besonderem Aufwand begangen. „Auf diesem letzten Rest der Welser Heide finden sich zahlreiche,  seltene Tier- und Pflanzenarten, die in dieser Kombination für das gesamte Alpenvorland Österreichs, Süddeutschlands und der Schweiz einmalig sind“, sagt Bernhard Kohler vom WWF. „Das ist keine rein oberösterreichische Angelegenheit mehr – hier muss der zuständige Umweltminister Berlakovic handeln, sollten die Verantwortlichen nicht von ihrem Vorhaben abrücken“.

Der Kartenverkauf läuft seit 16.12. ohne jede ökologische Begutachtung oder naturschutzrechtliche Genehmigung für die Veranstaltung. Dabei ist der große naturschutzfachliche Wert des Gebietes durch zahlreiche Publikationen und mediale Berichte bestens bekannt. Der Naturschutzbund Oberösterreich fordert für das Gelände schon seit langem die Ausweisung eines Naturschutzgebietes.  

Den Betreibern des Flugplatzes, dem Verein „Weiße Möwe“ sind durch Verträge mit dem Magistrat leider die Hände gebunden. Sie müssen die Abhaltung von derartigen Veranstaltungen dulden.

Die Naturschutzverbände fordern von Bürgermeister Koits die Kündigung der bisherigen Vereinbarungen zum Veranstaltungstermin am 22.5. bzw. die Einhaltung des oberösterreichischen Naturschutzrechtes. Das Konzert würde zu diesem Zeitpunkt an diesem Standort jedenfalls die geltende Artenschutzverordnung des Landes OÖ. grob verletzen. Schon ab Mitte Juli wäre es auf dem Flughafengelände aus Sicht des Vogelschutzes denkbar, ein Konzert durchzuführen. Für den 22.5. ist jedenfalls eine räumliche Verlegung dieses grundsätzlich auch von den NGOs begrüßten Rockkonzertes von AC/DC notwendig.

„Sollte weder der Zeitpunkt noch der Ort dieses Konzertes verlegt werden, ergibt sich daraus für den Vogelschutz ein Konflikt allerersten Ranges. Wir können nicht unwidersprochen zulassen, dass eine der wichtigsten Vogelkolonien des Landes mutwillig zertrampelt wird.  In diesem Fall würden wir uns gezwungen sehen, alle erdenklichen Protestmaßnahmen einzuleiten, von internationalen Protestnoten über die Einleitung von Amtshaftungsklagen bis hin zu Demonstrationen beim Konzert selbst“, fasst Hans Uhl von BirdLife Oberösterreich zusammen.

Rückfragen unter:

  • Hans Uhl, stellvertretender Landesleiter BirdLife Oö., T: 0699 107 83 395
  • Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbund Oö., T: 0732 77 92 79, Handy 0664/5130816
  • Bernhard Kohler, Leiter des WWF Ostösterreich-Programms, T: 0676 83 488 281