Dipl.-Ing. Hans Humer von der Niederösterr. Landes-Landwirtschaftskammer über
Blumenwiesenvernichtung - Blockbustergräser 4. April 2011

 

"Ertragsschwache Wiesen mit Blockbuster-Gräsern auf Schuss bringen"
"Damit Futterwiesen nicht zu Blumenwiesen werden"

 

Reaktion darauf von unserem Obmann-Stv. Manfred Luger am 15. April 2011:

Herr Humer,
nicht erst durch das mir jetzt zugekommene, Skandalöse Papier, zur Vernichtung von Blumenwiesen ist mir klar, dass die schönen Bilder in der Werbung sowie die gebetsmühlenartigen Erklärungen der Politiker und Funktionäre, dass die Landwirtschaft der Landschaftserhalter und Naturschützer NR. 1 ist, Betrug am Menschen und an der Natur sind. Wenn es Ihnen lieber ist, kann man auch Betrug an der Schöpfung sagen, denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal den Schöpfer um Segen bitten!

Nur ein Satz aus Ihrem Beitrag über Blockbustergräser zeigt den Zynismus und den Krieg gegen die Schöpfung, gegen unsere wichtigste Lebensgrundlage eine Intakte Natur und eine hohe Biodiversität.

Unerwünschte Artengruppen wie Kräuter, Beikräuter, Unkräuter oder Platzräuber werden mit der Strategie minimaler Pflanzenschutzaufwand durch gute Futtererträge quasi „ertränkt“.

Wie schon bei Tierarten, die der Landwirtschaft, Jagd oder Fischerei nicht mehr in den Kram passen, spricht man nun offiziell von Räubern auch bei den Pflanzen. Kräuter die Jahrtausende lang in der Medizin und Volksheilkunde verankert sind wollen Sie ertränken in einem Meer von Graskreaturen aus den Laboren der Konzernen. Gengräser werden folgen oder sind schon eingesetzt, ohne dass die Bevölkerung davon weiß. Dass Sie nach wie vor von Tierproduktion sprechen, bestärkt mich mehr als zuvor diese Produkte strikt zu meiden. Es gibt Gott sei Dank noch „Menschen“ in der Bauernschaft, die Ihre Tiere als Lebewesen sehen und so behandeln. Diese Menschen machen dann aus einer intakten Landschaft Lebensmittel.

Der Rest der Schriftstücke spricht ohnehin für sich.

In Zeiten wo die Landwirte nicht mehr von Milch und Co. leben können, weil Überschüsse erzeugt werden, weil sich die Bauern verschulden und Geld in Riesen - Traktoren, in energieintensive Ställe ohne Sonnenlicht, mit Belüftung und künstl. Beleuchtung investieren, brauchen wir keine Turbokühe, Turbogräser und schon gar keine Pflanzen- und Tierindustrie!

Wir brauchen Tiere auf den Weiden, wo sie gesunde Kräuter, frische Luft und Sonnenlicht ohne Stromverbrauch genießen können und eine Landschaft mit Glockenblume, Grille und Co.

Ohne diese wird der Mensch verhungern: geistig und seelisch!

Wie sagt der Kabarettist Volker Pispers: Auf dem Grabstein des Kapitalismus wird stehen „Zuviel war nicht genug!“

 

Reaktion vom Lebensministerium vom 6. Mai 2011:

Blumenwiesenvernichtung, Blockbastergräser

Sehr geehrter Herr Luger!

Mit Ihrem Mail vom 15. April 2011 haben Sie uns den Inhalt Ihres Mails an Herrn DI Johann Humer (Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Fachtabteilung Pflanzenbau) weitergeleitet, in dem Sie sich auf zwei Artikel beziehen, die von Herrn DI Humer, bzw. der LK Niederösterreich veröffentlicht wurden.

Aus Sicht des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) steht es außer Frage, dass der Naturschutz und die Bewahrung der natürlichen Ressourcen einen zentralen Stellenwert in der österreichischen Agrarpolitik genießen. Unter anderem deswegen ist das österreichische Agrarumweltprogramm ÖPUL eines der wichtigsten Umsetzungsinstrumente dieser Politik. So wurden im Rahmen des ÖPUL im Jahr 2010 mehr als 43,5 Mio. EUR an rund 24.000 Betriebe im Rahmen der spezifischen Naturschutzmaßnahme ausbezahlt. Damit war es möglich auf knapp 85.000 Hektar die Landwirtinnen und Landwirte für ihre konkrete Naturschutzleistung zu honorieren. Die Reduktion der Ausbringung von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln wird aber auch in weiteren Umweltmaßnahmen des ÖPUL abgegolten. In Niederösterreich ist in diesem Zusammenhang die Maßnahme Ökopunkte besonders hervorzuheben. Die Erhaltung artenreicher, extensiver Grünlandbestände wird anhand der Parameter Düngungsintensität und Pflanzenschutzmitteleinsatz, aber auch dem Grünlandalter und der Nutzungshäufigkeit besonders abgegolten. Damit wird nicht nur ein Beitrag zur Biodiversität geleistet, sondern auch aktiv das Klima geschützt und die Wasservorkommen vor schädlichen Belastungen bewahrt.

Neben der wichtigen ökologischen Funktion ist jedoch auch die Produktionsfunktion der Landwirtschaft zu beachten. Ein zentrales Anliegen der Österreichischen Agrarpolitik ist dabei die sichere Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln. Durch die heimische, regionale Produktion von Lebensmitteln werden nicht nur Arbeitsplätze in Österreich gesichert, sondern auch ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz (z.B. Verringerung des Transportaufkommens) geleistet.

Das österreichische Grünland nimmt in dieser regionalen Produktion einen zentralen Stellenwert ein. Über die Wiederkäuer kann der Aufwuchs optimal genutzt und zu Milch und Fleisch veredelt werden. Produktive Grünlandbestände sind Voraussetzung dafür, die Versorgung der Tiere mit Energie und Eiweiß aus dem Grundfutter sicherzustellen. Damit reduziert sich der Importbedarf an Futtermitteln, die zum Teil in Übersee unter ökologisch bedenklichen Bedingungen produziert werden.

Gerade Österreich hat in den letzten Jahren bewiesen, dass ein Miteinader von Lebensmittelproduktion und Naturschutz erfolgreich möglich ist. Der rasch wachsende Anteil an Biobauern – mittlerweile ein wesentliches Element der heimischen Nahrungsmittelproduktion – ist der beste Beweis dafür.

Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen hat jedoch auch im BMLFUW die Wortwahl in den von Ihnen angesprochenen Artikeln für Aufmerksamkeit gesorgt. Aus diesem Grund wurden bereits Gespräche mit den Vertretern der Landwirtschaftskammer Niederösterreich geführt, die sehr positiv verlaufen sind. Es steht für alle Beteiligten fest, dass keine Gräben zwischen Umweltschutz und produzierender Landwirtschaft aufgerissen werden sollen und dürfen. Es geht auch weiterhin um die Sicherstellung einer ökologisch nachhaltigen Produktion heimischer Lebensmittel.

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass gerade die  LK NÖ sehr engagiert das Thema Biodiversität auf Grünlandstandorten aufgegriffen hat. Gemeinsam mit der Naturschutzabteilung des  Landes NÖ werden im Rahmen des betrieblichen Naturschutzplans zahlreiche Weiterbildungsveranstaltungen angeboten, bei denen Landwirtinnen und Landwirten der Wert von vielfältigen Grünlandbeständen und deren Zeigerpflanzen näher gebracht wird.