Verliebte Lurche auf gefährlicher Hochzeitsreise

Vor allem in milden, regnerischen Nächten treten alljährlich im Frühjahr Kröten, Frösche, Unken und Molche die Wanderung zu ihren angestammten Laichgewässern an; eine gefährliche Hochzeitsreise, die für viele der Lurche mit dem Tod auf der Straße endet.

 

 

 

 Frostfreier Boden, Abendtemperaturen ab 4°C und Regen bedeuten gute Bedingungen für die kleinen Wanderer. Zu den ersten, die zu ihren Laichplätzen aufbrechen, gehören Erdkröte, Grasfrosch, Teichmolch und Bergmolch. Um dort anzukommen, müssen die Amphibien heute meist Straßen überqueren. Tausende von ihnen verlieren dadurch jedes Jahr ihr Leben: Untersuchungen haben ergeben, dass schon bei einer Verkehrsdichte von nur 60 Autos pro Stunde 90 Prozent der wandernden Erdkröten überfahren werden.

Naturschutzbund Oberösterreich hilft bedrohten Wanderern!An mehreren bekannten, stark frequentierten Wanderstrecken in Oberösterreich wurden in den letzten Tagen Amphibien-Schutzzäune von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Naturschutzbundes Oberösterreich aufgestellt. Zahlreiche freiwillige Helfer kontrollieren während der Zeit der Amphibien-Wanderung zwei Mal täglich bei jeden Wetter die Schutzzäune – neben den oft stark befahrenen Straßen eine mühsame und nicht ungefährliche Aufgabe. Aber ohne diesen Einsatz wären wohl viele Amphibienpopulationen bereits erloschen.

Das Aufstellen von Amphibienschutzzäunen ist ein wirksames Mittel, doch können damit nicht alle betroffenen Strecken erfasst werden. Der Naturschutzbund appelliert daher an alle Autofahrer in den kommenden Wochen - besonders in der Umgebung von Teichen -  mit erhöhter Aufmerksamkeit zu fahren, um Erdkröten und andere Amphibien nicht sinnlos zu töten! Die Laichwanderungen finden vor allem nachts ab dem Beginn der Dämmerung bis etwa ein, zwei Uhr früh statt. Bis Ende April/ Anfang Mai muss man mit den Hochzeitsreisenden auf den Straßen rechnen.

Slalom fahren hilft nicht!
Doch den empfindlichen Tieren droht nicht nur das direkte Überfahrenwerden. Selbst wenn man versucht, ihnen auszuweichen und sie „zwischen die Reifen nimmt“, endet dies für Kröten, Frösche und Molche oft mit dem Tod.

Der Strömungsdruck der Autos auf die Fahrbahn führt bei entsprechender Geschwindigkeit zu schweren inneren Verletzungen und Knochenbrüchen: Vor dem Auto baut sich ein Überdruck auf, ein paar Zentimeter vor der Stoßstange ist er am größten. Unter dem Auto dagegen entsteht ein Unterdruck. Fährt das Auto über die Kröte hinweg, so ist das Tier dieser Druckverteilung ausgesetzt. Der Druck wächst mit dem Quadrat der Fahrgeschwindigkeit an und nimmt an Heftigkeit und natürlich auch an Plötzlichkeit enorm zu. Schon bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern ist der Druck auf die weichen Amphibienkörper fast immer tödlich.

Typisches Merkmal dieser „Druckopfer“ ist die aus dem Maul heraushängende Zunge, oft zusammen mit anderen Organen wie der Lunge. Dazu kommen aufgeblähte Körperstellen, vor allem auf dem Rücken. Ansonsten scheinen die Tiere rein äußerlich völlig unversehrt.

 

Tempo 30 für Kröten und Frösche

Eine verringerte Geschwindigkeit erhöht die Überlebenschance der Lurche. Der Naturschutzbund OÖ. empfiehlt daher an ungeschützten Amphibien-Wanderstrecken die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren. Das dient nicht nur dem Schutz von Erdkröte, Grasfrosch und Co. sondern auch Ihrer Sicherheit. Durch das massenhafte Auftreten der Tiere erhöht sich – bei rücksichtsloser Fahrweise durch zahlreiche getötete Tiere - natürlich auch die Unfallgefahr.

Nehmen Sie bitte vor allem auch auf die Krötenzaunbetreuer, die den Lurchen das Überqueren der Straßen erleichtern, Rücksicht!

Helfer gesucht
Das Aufstellen und die Betreuung von Krötenzäunen ist sehr aufwändig. Die Fangzäune müssen während der Wanderungszeit täglich betreut werden. Jeder Helfer ist deswegen willkommen.
Bitte melden Sie uns auch von Amphibien stark frequentierte Straßenabschnitte in Oberösterreich.

 

Viele Straßenabschnitte an denen Amphibien überfahren werden sind noch nicht erfasst!

Literatur:
HUMMEL, D. (2001):
Amphibienschutz durch Geschwindigkeitsbegrenzung - eine aerodynamische Studie - Natur und Landschaft 76, 530-533.

Fotos: Pezi Speta, Simone Pysarczuk, Julia Kropfberger