Der Luchs – 

Heimkehrer auf leisen Pfoten

 

„Löwe, Tiger und Leopard“ ist die Antwort, die man erhält, wenn man Leute auf  der Straße nach einer großen Wildkatze fragt. Das Erstaunen ist oft groß, wenn die Menschen dann erfahren, dass auch in unseren heimischen Wäldern eine stattliche Katze heimisch ist – der Luchs.

Nach seiner Ausrottung vor gut 150 Jahren, kehrt der Luchs langsam wieder in seine angestammten Gebiete in Mitteleuropa zurück. Grundsätzlich fehlt es ihm meist nicht an geeignetem Lebensraum, sondern vor allem an der Akzeptanz von Seiten der Menschen. Denn auch heute noch stößt er als großer Beutegreifer auf tief verwurzelte Ängste, Vorurteile und Unwissenheit.

        Foto: Josef Limberger

 
Der Naturschutzbund Oberösterreich setzt sich für eine dauerhafte Rückkehr des Luchses in Oberösterreich ein.
 


Pressekonferzenz 23.April 2009

Der Luchs in den OÖ Kalkalpen

Der Europäische Luchs (Lynx lynx) ist EU weit geschützt. Er ist in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU (Anhang II und IV) aufgeführt. Von Seiten Österreichs besteht daher die Verpflichtung, den Luchs in einem „günstigen Erhaltungszustand“ zu bewahren bzw. diesen „günstigen Erhaltungszustand“ wiederherzustellen.

Die aktuelle Situation des Luchses im österreichischen Alpenraum ist schwer einzuschätzen, da die bisherigen Nachweise weitgehend auf passivem Sammeln von Zufallsbeobachtungen beschränkt sind. Ein systematisches Monitoring gibt es in weiten Teilen Österreichs bis dato nicht.

Der Nationalpark O.ö. Kalkalpen führt innerhalb des Nationalparkgebiets seit 1998 ein Luchsmonitoring durch. Bislang konnte trotz Einsatz von Fotofallen nur ein einziger Luchs im Nationalpark eindeutig festgestellt werden.

Der NP Kalkalpen hat darauf hin erwogen, den Bestand durch das Beibringen von zwei Wildfängen aus der Schweiz zu stärken.

Zu diesem Zweck hat sich im Jahr 2008 eine Arbeitsgemeinschaft „Luchs OÖ. Kalkalpen“ (LUKA) gebildet. In dieser Arbeitsgemeinschaft sind sowohl Vertreter der Wissenschaft (Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie), NGOs (NATURSCHUTZBUND OÖ. und WWF), der Nationalpark O.ö. Kalkalpen, die Österreichischen Bundesforste, Vertreter des OÖ LANDESJAGDVERBANDES und der Bauernschaft sowie der Amtstierarzt des Bezirks Kirchdorf a. d. Krems eingebunden. Oberstes Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es dem Luchs ein dauerhaftes Überleben in den nördlichen Kalkalpen zu ermöglichen und langfristig die Vernetzung der Luchspopulation in den Alpen und der Böhmischen Masse sicherzustellen

Im Spätwinter 2009 fing sich bei St. Pankraz überraschend ein Jungluchs in eine Kastenfalle. Entsprechend eines Behördenbescheids wurde er untersucht und zur besseren Beobachtung besendert im Nationalpark wieder in Freiheit entlassen.

Auf Grund des unerwartete Auftauchen des jungen Luchses und der wiederholten Aussage  von Seiten der Jägerschaft, dass noch weitere Luchse im Gebiet leben, kommt die Arbeitsgemeinschaft LUKA zu dem Ergebnis, dass die nächsten zwei Jahre genutzt werden müssen, um in enger Zusammenarbeit mit der Jägerschaft belegbare Luchsnachweise zu sammeln.

Zu diesem Zweck werden in den in Frage kommenden Revieren in den beiden Bezirken Steyr Land und Kirchdorf Fotofallen installiert. Erst wenn in den zwei Jahren keine Nachweise von weiteren Luchsen und kein Nachweis von Reproduktion erbracht werden können, erscheint der Arbeitsgemeinschaft LUKA eine Bestandsstärkung sinnvoll und notwendig.

 

Die Arbeitsgemeinschaft „Luchs OÖ. Kalkalpen“ (LUKA)

Ansprechpartner:
Naturschutzbund OÖ.
OÖ. Landesjagdverband
Nationalpark O.ö. Kalkalpen
Dr. Petra Kaczensky, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Wien
WWF Österreich

von links nach rechts:

Mag. Christoph Walder, WWF Österreich
Mag. Christopher Böck, Wildbiologe des OÖ. Landesjagdverbandes
Landesjägermeister Josef Brandmayr, OÖ. Landesjagdverband
Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbundes OÖ.
Dr. Petra Kaczensky, Luchsexpertin, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Wien
Dr. Erich Mayrhofer, Geschäftsführer des Nationalparks O.ö. Kalkalpen
DI Christian Fuxjäger, Luchsexperte des Nationalparks O.ö. Kalkalpen
 


Erste Luchsbesenderung in Österreich

        "Pankraz auf gutem Empfang"

 

In der Nacht vom 28. auf den 29. Jänner wurde ein besenderter Jungluchs in den Nationalpark Kalkalpen umgesiedelt. Es handelt sich dabei um jenes Tier, das seit Mitte Jänner in St. Pankraz auftauchte und für Aufregung sorgte, weil es jene natürliche Scheu vermissen ließ, die Luchse normalerweise auszeichnet. Da auch Vergrämungsmaßnahmen nicht den gewünschten Erfolg zeigten, hat sich die „Projektgruppe Luchs - Nationalpark Kalkalpen Region“ des Themas angenommen. In enger Zusammenarbeit zwischen der Agrarabteilung der Oö Landesregierung, dem OÖ Landesjagdverband , dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde, dem Naturschutzbund Oberösterreich, Amtstierarzt Dr. Seiringer, den Österreichischen Bundesforsten, dem WWF und der Nationalpark Kalkalpen Verwaltung wurde ein Managementplan ausgearbeitet und realisiert.

 

 

Der Luchs wurde am Dienstag, 27. Jänner 2009 gefangen und vom St. Pankrazer Jagdleiter dem OÖ Landesjagdverband übergeben. Der Jungluchs, der den Namen „Pankraz“ erhielt, wurde am Mittwoch, 28. Jänner betäubt und anschließend von Amtstierarzt Dr. Herbert Seiringer, Dr. Petra Kazcensky (Institut für Wildtierkunde) und Luchsexperte Thomas Huber eingehend untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass es sich um ein männliches, 14 kg schweres, gesundes Jungtier handelt, das keine Anzeichen einer Gehegehaltung aufwies. Daraufhin wurden „Pankraz“ Blut- und Haarproben zur weiteren genetischen Untersuchung entnommen. Schließlich wurde er mit einem Chip versehen, mit einem gut sichtbaren Halsband besendert und nach weiterer Beratung, in weiter Entfernung zum Fangort, im Nationalpark Kalkalpen wieder in die Freiheit entlassen.

 

Der vom Nationalpark Kooperationspartner Energie AG Oberösterreich zur Verfügung gestellte Halsbandsender ermöglicht nun eine GPS Telemetrie, mittels der die Aufenthaltsorte von „Pankraz“ festgestellt und seine Aktivitäten überwacht werden können. Nationalpark Mitarbeiter DI Christian Fuxjäger wurde mit der Beobachtung des Tieres beauftragt. Aus den Aktivitäten des Jungluchses erwartet sich die Projektgruppe Luchs auch wertvolle Hinweise auf das Raumverhalten von Luchsen, ihre Nahrungspräferenzen und Sozialverhalten.

Entscheidend für die weitere Zukunft von Jungluchs Pankraz wird sein, ob er in der Lage ist, sich zu ernähren und den Winter zu überstehen. Dabei muss er auch ein artgerechtes Verhalten zeigen und sollte menschliche Siedlungen möglichst meiden. Die Projektgruppe Luchs – Nationalpark Kalkalpen Region (in der auch der Naturschutzbund OÖ. mitarbeitet) wird in enger Kooperation mit dem Land Oberösterreich das weitere Verhalten des Jungluchses beobachten.

Leider wurde der verwaiste Jungluchs in den OÖ. Nachrichten als Problemluchs bezeichnet. Er hatte zwei Kaninchen gerissen und war in ein Wildgatter gesprungen. Die Überlegung des Naturschutzbundes gehen dahin, dass das Muttertier den Jungluchs nicht vertrieben hat, dazu ist die Zeit zu früh. Viel wahrscheinlicher ist unserer Meinung nach die Möglichkeit, dass die Mutter zu Tode kam. Deshalb auch die Unerfahrenheit des Jungtieres und seine „Verzweiflungstaten“. Die Untersuchung ergab einen einwandfreien Gesundheitszustand. Das Tier war aber mit 14 kg Gewicht zu leicht für einen Luchs dieses Alters.

Herzlichen Dank auch an das Nationalpark Kalkalpen Team, das sich, um den gesetzlichen Vorgaben Folge zu leisten, bereit erklärte, das Jungtier im Kern des Nationalparks wieder frei zu setzen und die telemetrische Überwachung zu übernehmen.

Fotos: Josef Limberger

zur Pressekonferenz

Steckbrief Luchs anl. der Kampagne überLEBEN

 



Am 31.10.2007 lud der NATURSCHUTZBUND Oberösterreich alle Interessierten zur Eröffnung der Ausstellung  „Ich, der Luchs – die geheimnisvolle Waldkatze“, einer Leihgabe des Naturparks Bayerischer Wald, im Ursulinenhof Linz ein.

Auch die Linzer Schulen waren an zwei darauf folgenden Tagen herzlich eingeladen, die schöne Waldkatze näher kennen zu lernen. Bei einem Vortrag von Mag. Thomas Engleder, Luchsexperte des OÖ. NATURSCHUTZBUNDes und der ÖNJ Haslach, sowie beim anschließenden Besuch der Ausstellung konnten die Schüler viel Wissenswertes über die größte heimische Katzenart erfahren.


               

Aug’ in Aug’ und hautnah konnten die Schüler den Luchs erleben

Fotos: Julia Kropfberger

Mehr zum Artenschutzprojekt Luchs zwischen önj Haslach und Naturschutzbund OÖ. unter: http://luchs.boehmerwaldnatur.at