| Offener Brief:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geschätzte Damen und Herren!
Ich habe mich zur Thematik des Welser Flughafens bereits mehrfach schriftlich an Sie Herr Bürgermeister gewandt, leider bis dato erfolglos. Ich nehme nun die Gelegenheit der aktuellen Diskussion über die Problematik eines Konzertes der Rockgruppe AC/DC auf besagtem Flughafen wahr und melde mich erneut mit meiner ganz persönlichen Meinung als Bürger der Stadt Wels zu Wort. Seit 10 Jahren bin ich in Wels wohnhaft und verfolge seither die Geschehnisse rund um das Flugplatzgelände. Diesen Brief schreibe ich, weil ich über die politische Entscheidungsunfähigkeit der Welser Stadtregierung schlichtweg entsetzt und über die Maßen enttäuscht bin. Natürlich ärgert es mich aus ökologisch-fachlicher Sicht zutiefst, dass man naturschutzfachlich wertvolle Flächen (und die darauf brütenden Restbestände seltener Vögel) der wirtschaftlichen Entwicklung einer Stadt opfern will, die ohnehin überwiegend aus Gewerbegebieten besteht! Meine fachliche Kompetenz liegt aber im Bereich der Gewässerökologie, weshalb ich mich zu diesen Wiesenflächen und den zugehörigen Vogelarten nicht weiter äußern möchte. Als Bürger dieser Stadt ärgert mich aber die Stadtpolitik, die an eine Verwechslungskomödie, die dem guten alten Johann Nepomuk Nestroy zur Ehre gereichen würde, mindestens genauso. Es gibt ja schon längere Zeit Gelüste verschiedener Geschäftsleute, das Flugplatzgelände zu erwerben und einer wirtschaftlich sinnvollen Verwertung zuzuführen. Dem diametral entgegen stehen die seit einigen Monaten geäußerten Wünsche des Naturschutzes, die naturschutzfachlich wertvollen Flächen am Flugplatzgelände zu erhalten. Eine Konfrontation der Interessen und dazu die Notwendigkeit einer politischen Entscheidung schien unausweichlich. Nun ist ja Österreich im Moment nicht gerade gesegnet mit couragierten politischen Entscheidungsträgern, wie die zweite, bundesweite nestroysche Posse um ein Erstaufnahmelager für Asylwerber zeigt. Auch mir durchaus politischem, jedoch parteilosem Menschen leuchtet ein, dass den meisten Welser Stadtpolitikern in derselben Ermangelung politischer Entscheidungswillig- oder –fähigkeit die Gelegenheit mit einem Rockkonzert auf der so viel umworbenen Fläche Tatsachen zu schaffen, günstig erscheint. Die Musiker verscheuchen die Vögel und die an alledem unschuldigen Politiker können die dann wertlosen Flächen gewinnbringend verwerten. Man spielt in österreichweit bewährter Weise gegnerische und befürwortende Staatsbürger gegeneinander aus. Man wusste ja gar nichts von einem geplanten Konzert (eine unheimlich glaubwürdige Aussage im Lichte der Diskussionen der letzten Monate) und kann nun – da so viele Konzertkarten verkauft sind, ja nicht die Volksseele erzürnen. Zündler aus allen möglichen (und unmöglichen) Lagern – fatalerweise auch politischen! - legen im selben Atemzug sogar über das ach so anonyme Internet Votingseiten an – Naturschützer gegen Rockfans! Eine Entwicklung, auf die man als Politiker wirklich stolz sein kann? Besorgnis wäre wohl die richtigere Reaktion! Als Entscheidungsträger halten sich die Stadtpolitiker nobel zurück und der Bürgermeister lässt verlauten, man würde Expertenrunden einberufen. Die Experten dazu nimmt man – wiederum die Erinnerung an Nestroy – aus dem eigenen Fundus. Und – wenig überraschend einigt man sich. Nun warte ich gespannt auf die nächsten Schritte, denn wie man weiß, wenn man Nestroy kennt: Einen Jux will er sich machen ist eine Posse mit Gesang!! Misstöne als Begleitmusik sind nach meiner, aber auch der Meinung vieler Gemeindebürger bereits genug produziert!!
Clemens Gumpinger
PS: Würde die viel beschworene Entwicklung der Stadt Wels zur Energiehauptstadt mit Öko-Gewissen nicht auch seit Jahren im politischen Wirtshaustisch-Diskussionsmilieu dahintümpeln, hätte man mit der Rettung der besagten Flugplatz-Flächen und ihrer tierischen Bewohner vielleicht sogar in einem Wählerpotenzial positiv punkten können, das über den Welser-Volksfest-Bierzelt-Horizont hinausschaut und dahinter mit Interesse die positive Entwicklung einer Stadt mitgestaltet! Einer Stadt, die sich das eigentlich verdient hätte.
Diese eMail ergeht als offener Brief auch an alle politischen Fraktionen im Welser Stadtparlament und an diverse Vertreter von NGOs bzw. naturschutzinteressierte Kollegen.
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