Mitteilung des OÖ. Naturschutzbundes
Dezember 2007

 

Sensationsfund am Welser Flugplatz

 

Dass am Welser Flugplatz nicht nur Flugzeuge herumfliegen, sondern auch so manche seltene Tierart, war den Biologen schon seit einiger Zeit bekannt. Förmlich vom Hocker riss es den international renomierten Wildbienenspezialisten P. Andreas Ebmer aus Puchenau als er die vom Autor am Welser Flugplatz gefundene Furchenbiene mit dem wissenschaftlichen Namen Lasioglossum setulosum sah. „Seit 57 Jahren wurde dieser Steppenbewohner in Oberösterreich nicht mehr nachgewiesen“, erläutert Ebmer die Bedeutung des Fundes. Durch intensive Landnutzung ist diese etwa 5-6 mm große Furchenbiene in Mitteleuropa hochgradig gefährdet. Viele der über 400 aus Oberösterreich bekannten Wildbienenarten, die meist einzeln leben und keine Staaten bilden, benötigen warme und trockene Lebensräume mit einem entsprechenden Blütenangebot. Die mit 70 Hektar größte zusammenhängende Magerwiesenfläche Oberösterreichs auf dem Welser Flugplatz bildet die Lebensgrundlage für großflächig ausgerottete Arten. Deshalb setzt sich der Naturschutzbund Oberösterreich, ein sehr aktiver Naturschutzverein, für die Erhaltung des Welser Flugplatzes ein. Konkrete Bebauungspläne durch die Stadt Wels bereiten den Naturschützern größte Sorge. Nur durch die Erhaltung des gesamten Flugplatzgeländes können alle anspruchsvollen Tierarten hier überleben. Die Republik Österreich hat sich mit der Unterzeichnung der „Konvention über Biologische Vielfalt“ (Rio de Janeiro 1992) dazu verpflichtet, dem Artensterben bis 2010 ein Ende zu bereiten. Die Erhaltung des Welser Flugplatzes ist eine wichtige Maßnahme dazu. Die Vorkommen von Brachvogel und Schwarzkehlchen sind nur einige Beispiele aus der Vogelwelt, die die herausragende Bedeutung des Welser Flugplatzes für den Naturschutz zeigen. Deshalb fordert der Naturschutzbund die Ausweisung des Welser Flugplatzes als Naturschutzgebiet, wobei die derzeitige Wiesenbewirtschaftung (jährliche Mahd sowie keine Düngung) aufrechterhalten bleiben soll. Der Flugbetrieb ist mit den Zielen des Naturschutzes durchaus vereinbar. Nach Ansicht des Naturschutzbundes könnten bei einer Verbauung des Flugplatzes Sanktionen von der EU drohen, da international geschützte Arten gefährdet werden.

Insektenkundler der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft am Biologiezentrum in Linz und Botaniker werden den Welser Flugplatz im kommenden Jahr näher unter die Lupe nehmen. Sehr wahrscheinlich werden dabei noch so manche Seltenheiten gefunden. Diese wissenschaftlichen Untersuchungen sind ein Beitrag zum Schutz der Tier- und Pflanzenarten auf dem Welser Flugplatz. Der Fliegerclub „Weiße Möwe“ hat auf seinem Gelände einen überregional sehr bedeutenden Lebensraum für äußerst seltene Tierarten bewahrt, den es unbedingt zu erhalten gilt.

 

Dr. Martin Schwarz
Biologe des Naturschutzbundes Oberösterreich