Totholz im Siedlungsbereich

Eine überaus wichtige Funktion haben alte Bäume und Totholz auch außerhalb geschlossener Waldgebiete. In lockeren Baumbeständen, wie sie in Streuobstwiesen, Parks, Alleen, Gärten und dergleichen vorkommen sowie bei Einzelbäumen, ist das Mikroklima meist wärmer und trockener als in Wäldern, die Bäume sind stärker besonnt. Weiters gibt es hier eine enge Verzahnung mit anderen Lebensräumen, vor allem Wiesen. Dieses Mosaik unterschiedlichster Habitate auf engstem Raum ist für das Vorkommen einer ganzen Reihe von oftmals bedrohten Tierarten Voraussetzung. So brüten Steinkauz, Zwergohreule, Wiedehopf und Wendehals überwiegend in Höhlen alter Obstbäume und in Kopfweiden, während sie die Nahrung in den benachbarten Wiesen suchen. Viele Wildbienen nutzen Käferbohrlöcher im Totholz besonnt stehender Bäume. Zur Nahrungssuche nutzen sie das Blütenangebot der umliegenden Wiesen, Gärten und Parks, das hier meist deutlich reichhaltiger und vielfältiger ist, als in geschlossenen Wäldern.

Tipps und Anregungen für mehr Totholz im Siedlungsbereich

·      Ältere oder größere Bäume nicht generell vorsorglich entfernen, um einer      möglichen Gefahr durch herabfallende Äste sowie umstürzenden Bäume vorzubeugen. Die Verkehrssicherung ist aber zu beachten.

·      Nicht jeder abgestorbene oder bruchgefährdete Baum muss vollständig entfernt werden. Wird der Baum in ein bis drei Metern Höhe abgeschnitten, stellt der verbliebene Stamm kein Risiko für Menschen und Sachwerten mehr dar und ist über Jahre ein wertvoller Lebensraum.

·      Stämme und Äste entfernter Bäume sollen an einem passenden Ort bis zur Verrottung gelagert werden. Eine sonnige Stelle sollte dafür bevorzugt werden.

·      Ein toter Baumstamm kann beschnitzt werden, wodurch er zur Zierde des Gartens oder Parks wird. An nicht beschnitzten Stellen sollte die Rinde am Stamm belassen werden.

·      Baumhöhlen sollten nicht zubetoniert oder anderweitig unzugänglich gemacht sowie auch nicht der Mulm daraus entfernt bzw. ausgebrannt werden.

·      Stehende Baumstümpfe können sinnvoll in die Garten- und Parkgestaltung einbezogen werden. Der Stamm kann als seitliche Stütze eines Brennholzstapels, als Aufhängevorrichtung des Briefkastens oder auch als Torstange Verwendung finden.

·      Ein dicker Stammteil im Garten aufgestellt kann als dekorativer Tisch Verwendung finden.

In allen Fällen gilt, dass das Holz nicht mit Holzschutzmitteln behandelt sowie nicht mit einem Farbanstrich versehen werden darf, um die Totholzbewohner nicht zu schädigen oder abzutöten.

 

Text: Martin Schwarz
Bild: Beschnitzter Baumstamm. Foto: J. Limberger

Diese Broschüre, in der auch der obige Text enthalten ist, ist bei den Österreichischen Bundesforsten (Tel.: 02231/600-0, E-Mail: naturraummanagement@bundesforste.at) sowie beim Naturschutzbund Oberösterreich ooenb@gmx.net kostenlos erhältlich.

 

Buchtipp: Aktiv für Totholz im Wald
Anregungen für Forstleute und Landwirte
Herausgegeben von den Österreichischen Bundesforsten und unter Mitarbeit des Naturschutzbundes Oberösterreich, 2008